Gibt es im Islam Kaschf und Ilhâm?
Frage:
Gibt es im Islam Kaschf und Ilhâm? Sufis behaupten immer, daß sie das Verborgene kennen und nennen das Kaschf und Ilhâm. Einige begründen das damit, daß ´Umar (r.a.) während einer Khutbah einmal sagte, daß es eine Armee auf dem Schlachtfeld gibt. Bitte erklärt diese Sache.
Antwort:
Preis sei Allâh.
Erstens:
Es gibt verschiedenen Formen von Kaschf (Einsicht, Intuition, etwas über das Verborgene herausfinden), die bei einer Person vorkommen können. Eine davon ist durch Eingebung, die man bei Muslimen und Kuffâr findet. Eine andere spiritueller Art, die durch Offenbarung kommt. Die dritte ist vom Schaitân und kommt durch die Jinn.
Schaikh Al-Islam Ibn Taimiyyah sagte: Wir leugnen nicht, daß manche eine bestimmte Art von Kaschf erfahren können, im wachen Zustand wie auch im Schlaf wenn die Verbindung zwischen Seele und Körper schwächer ist. Dies kann durch spirituelle Praktiken oder andere Mittel zustande kommen. Diese Art von Kaschf ist psychologischer Natur, die erste Form von Kaschf. Aber genauso gibt es rationale Belege und Beweise in der Scharîah, die die Existenz von Jinn belegen und daß sie den Menschen Dinge über das Verborgene mitteilen, wie es im Falle eines Wahrsagers geschieht, oder den Menschen, die von einem Jinn befallen sind. Die zweite Art Kaschf kommt von anderer Quelle, zum Beispiel den Jinn, die in Kontakt mit den Wahrsagern stehen. Das ist weitläufig bekannt, speziell denen, die auf diesem Gebiet Erfahrung haben. Wir selbst hatten schon zahlreiche Gelegenheiten, Zeuge von Dingen ähnlicher Art zu werden. Diese zweite Form von Kaschf hat nichts mit der ersten zu tun. Die dritte Form kommt durch die Engel und ist die edelste von allen, was durch Texte und den Verstand belegt wird. Informationen über das Verborgene können aus einer Eingebung stammen, aus satanischen oder anderen bösen Quellen kommen oder von Engeln. (As-Safadiyyah, Seite 187-189)
Ibn Al-Qayyim schrieb: Kaschf in unvollständiger Form kann bei Gläubigen und Ungläubigen, Rechtschaffenen und Frevlern vorkommen, wie zum Beispiel wenn jemand weiß, was sich im Haus einer anderen Person befindet oder was ein anderer in seiner Hand hält oder unter der Kleidung, ob seine Frau mit einem Jungen oder einem Mädchen schwanger ist, nachdem das Geschlecht [von Allâh durch einen Engel im Mutterleib] festgelegt wurde, oder andere Dinge des Verborgenen, wie Geschehnisse an einem entfernten Ort, und so weiter. Das kann manchmal von Schaitân kommen oder auch vom eigenen Selbst. Daher findet man es auch bei Kuffâr, wie den Christen, Feueranbetern und Leuten, die das Kreuz anbeten. Ibn Sayyâd konnte durch Kaschf sagen, was der Prophet (a.s.s.) vor ihm versteckt hielt. Der Gesandte Allâhs sagte zu ihm: Du gehörst zu den Brüdern der Wahrsager. Er sagte ihm, daß seine Form von Kasch wie der Kaschf der Wahrsager war. Selbst Musailimah, der Lügner, obwohl er ein Kâfir der schlimmsten Art war, konnte seinen Gefährten mitteilen, was einer von ihnen getan hatte und was er zu seiner Frau gesagt hatte. Dies gab ihm sein Schaitân ein und er konnte so die Leute in die Irre führen. Dasselbe galt für Al-Aswad Al-´Anasi und Al-Hârith Al-Mutanabbi Ad-Dimaschqi, die in der Zeit von ´Abdulmalik ibn Marwân auftraten, und noch andere aus ihrer Sippe, deren genaue Zahl nur Allâh kennt. Wir selbst und auch andere haben eine Gruppe von ihnen gesehen, und einige Leute waren Zeuge des Kaschf von Mönchen, die bekannterlich das Kreuz anbeten. Spiritueller Kaschf ist wie der Kaschf von Abu Bakr, als er ´Âischah sagte, daß seine Frau mit einem Mädchen schwanger war, oder der Kaschf von ´Umar (r.a.), als er sagte: Oh Sâriyah, der Berg!, d.h. halte dich nahe am Berg. Es gibt von den Auliyâ (Verbündeten) Allâhs noch zahlreiche weitere Beispiel dieser Art. (Madârij As-Sâlikîn, 3/227-228).
Zweitens:
Die Geschichte von ´Umar ibn Al-Khattâb (r.a.) ist authentisch und weitläufig bekannt. Nâfi berichtete, daß ´Umar eine militärische Ablösung entsandte mit einem Mann names Sâriyah als Führer an ihrer Spitze. Während einer Freitags-Khutbah sagte ´Umar: Oh Sâriyah, der Berg! Oh Sâriyah, der Berg! Und sie fanden heraus, daß Sâriyah sich genau in diesem Zeitpunkt in Richtung der Berge bewegte, obwohl zwischen ihnen die Distanz einer einmonatigen Reise lag. (Ahmad in Fadâil As-Sahâbah, 1/269, und Al-Albâni erklärte ihn für sahîh in As-Silsilât As-Sahîhah, 1110).
Das war ein Wunder (Karâmah), das ´Umar (r.a.) gewährt wurde, entweder durch eine Eingebung der Engel, durch die seine Stimme Sâriyah erreichte. Dies ist die Meinung von Ibn Al-Qayyim. Oder es handelte sich um eine persönliche Eingebung psychologischer Natur, und seine Stimme erreichte Sâriyah, was auch Schaikh Al-Albâni (siehe weiter unten) in seinem Kommentar erläutert. In jedem Fall war es ein Wunder.
Drittens:
Die Sufis bekommen keine Offenbarungen von Engeln. Entweder haben sie normale Eingebungen, die auch bei den Kuffâr vorkommen, oder etwas aus satanischem Ursprung, wie es meistens der Fall ist.
Nur enge Verbündete Allâhs (Auliyâ), die die Scharîah hochachten und sich nach ihr richten, bekommen Eingebungen durch Engel. Was ´Umar passierte, obwohl man es als eine Art Kaschf bezeichnen kann, war eine Eingebung durch Engel.
Schaikh Al-Albâni ® sagte: Zweifellos war der erwähnte Ruf eine Eingebung Allâhs für ´Umar. Das ist nicht ungewöhnlich, da er in einer Überlieferung des Propheten (a.s.s.) als muhaddath (inspiriert) bezeichnet wird. Das heißt allerdings nicht, daß ´Umar tatsächlich die Lage der Truppen gezeigt wurde oder daß er sie mit eigenen Augen gesehen hat. Was die Sufis damit begründen wollen, nämlich ihre Behauptungen, daß die Auliyâ (Heiligen) Kaschf haben und in die Herzen der Menschen blicken können, ist Unsinn. Wie könnte es auch anders sein, wo doch der Herr der Welten Der Einzige ist, Der diese Eigenschaft besitzt, Der allein Kenntnis über das Verborgene hat und in die Herzen der Menschen sieht? Und frage mich, wie sie solche verlogenen Behauptungen aufstellen, wo doch Allâh in Seinem Buch sagt:
Er ist der Kenner des Verborgenen - Er enthüllt keinem Seine Kenntnis vom Verborgenen, außer allein dem, den Er unter Seinen Gesandten erwählt hat. (Al-Jinn:26-27)
Glauben Sie, daß diese Auliyâ Gesandte Allâhs sind, so daß man von ihnen sagen könnte, daß sie das Verborgene in dem Maße kennen, wie Allâh es ihnen enthüllt? Preis sei Dir (oh Allâh)! Das ist eine gewaltige Lüge (siehe An-Nûr:16).
Die Geschichte ist authentisch und belegt. Es war ein Wunder (Karâmah), mit dem Allâh ´Umar ausgezeichnet hat, durch das die muslimischen Truppen vor der Gefangennahme oder der totalen Auslöschung bewahrt wurden. Das bedeutet jedoch nicht, daß er das Verborgene kannte, wie die Sufis behaupten. Vielmehr war es eine Art Eingebung im Sinne der Scharîah oder eine Art Telepathie, die keineswegs unfehlbar ist, Sie kann sich als korrekt herausstellen - wie hier - oder als das Gegenteil, wie es bei den meisten Menschen der Fall ist. Jeder Verbündete Allâhs (Wali) muß an der Scharîah festhalten in allem was er sagt und tut, sonst wird er seinen Status als Verbündeter Allâhs (Waliyu Allâh) verlieren, was Allâh auf prägnante Weise ausgedrückt hat:
Wisset, daß über Allâhs Schützlinge keine Furcht kommen wird, noch sollen sie traurig sein. Diejenigen, die da glauben und rechtschaffen sind. (Yûnus:63)
Und wie ein Dichter sagte:
Siehst du einen Mann durch die Luft fliegen oder auf dem Wasser wandeln,
Der sich nicht an die Grenzen der Scharîah hält,
dann wisse, daß es nur eine Versuchung ist, die ihn in die Irre führt,
und daß er einer der Anhänger der Bidah ist. (As-Silsilât As-Sahîhah, 3/102-104).
Und Allâh weiß es am besten.
Quelle: Islam Q&A (http://www.islam-qa.com)


