Lese Lounge Fataawa Aqida Wozu hat ALLAH die Menschen erschaffen?

Wozu hat ALLAH die Menschen erschaffen?

Q&A Fatwa Nr. 123973


Frage:

Wozu hat ALLAH die Menschen erschaffen, wo Er doch schon ihren letztendlichen Aufenthaltsort, Paradies oder Hölle, kennt?
„Ich habe eine Frage, die du hoffentlich beantworten kannst, möge ALLAH dich mit Gutem belohnen. Wenn ALLAH das Unbekannte kennt, und ER weiß, was die Menschen tun werden, und ER weiß, wer in die Hölle geht und wer ins Paradies geht – denn ALLAHs Wissen umfaßt alle Dinge – wozu hat ER uns überhaupt erschaffen? Warum hat ALLAH Iblis mit Adam und Eva auf die Erde hinabgesandt, wohlwissend, daß er keine Reue zeigen wird, und ihm schon die Hölle als Aufenthaltsort bestimmt hat?“


Antwort:


Gepriesen sei ALLAH.


Erstens:
Wissen darüber, wozu ALLAH die Menschheit erschaffen hat, kann viele Fragen beantworten, die die Atheisten stellen, um leute zu verwirren, und von denen manche Muslime beeinflusst werden. Sie setzen voraus, dass ALLAH die Menschen erschaffen hat, um sie entweder in die Hölle oder ins Paradies zu bringen! Das ist eine falsche Annahme. Dafür hat ALLAH die Menschen nicht erschaffen und ihnen dieses Leben gegeben.
Der Bruder, der diese Frage gestellt hat – und jeder, der die Wahrheit wissen möchte – sollte begreifen, dass der Zweck der Erschaffung des Menschen und des Himmels und der Erde der ist, dass ALLAH, der Gepriesene und Erhabene, erkannt wird, dass seine Einzigkeit bezeugt wird und dass Ihm gedient wird.
ALLAH sagt (Interpretation der Aussage):
„Und ICH (ALLAH) habe die Jinn und die Menschen zu nichts anderem erschaffen, als dass sie MICH (allein) anbeten.“
[al-Dhaariyaat 51:56].
Ibn Kathir (möge ALLAH ihm gnädig sein) sagte:
mit anderen Worten, ICH habe sie nur erschaffen, damit ICH ihnen befehlen kann, mich anzubeten, nicht, weil ICH sie brauche.
Ali ibn Abi Talhah sagte, über Ibn `Abbas berichtend: „zu nichts anderem erschaffen, als dass sie MICH (allein) anbeten.“ bedeutet: nur, damit sie ihre Untergebenheit MIR gegenüber bestätigen, freiwillig oder unfreiwillig.
Diese Ansicht bevorzugte Ibn Jarir.
Tafsir Ibn Kathir (4/239).
Vielen Menschen ist nicht klar, was ALLAH von ihnen verlangt, nämlich SEINER Religion, die ER für sie gewählt hat, zu folgen. Und ihnen ist nicht klar, was sie zu erwarten haben, nämlich Belohnung für die Folgsamen und Bestrafung für die Unfolgsamen. Das ist Teil SEINES Beschlusses, der nicht mehr verändert oder geändert wird.

Ibn al-Qayyim (möge ALLAH ihm gnädig sein) sagte:
Die Wahrheit über den Zweck ihrer Erschaffung – gemeint sind die Himmel und die Erde und alles, was
dazwischen ist – ist ein Ziel mit zwei Inhalten: was ER von SEINEN Untergebenen will und was ER für sie will.

Was ER von ihnen will: dass sie IHN kennen und die Eigenschaften SEINER Perfektion, gepriesen und erhaben sei ER, und dass sie einzig IHN anbeten und IHM nichts beigesellen, so dass ER allein ihr Gott ist, derjenige, den sie anbeten und dem sie gehorchen und den sie lieben. ALLAH sagt (Interpretation der Aussage):
„Es ist ALLAH, der sieben Himmel erschaffen hat und ebensoviel von der Erde ( d.h. sieben). SEIN Befehl kommt zwischen ihnen (Himmel und Erde) herab, so weißt du, dass ALLAH Macht über alle Dinge hat, und dass sein Wissen alle Dinge umfasst.“
[al-Talaaq 65:12].

ER sagte uns, dass ER das Universum erschaffen hat, damit seine Diener die Perfektion SEINER Macht kennenlernen, das allumfassende Wesen SEINES Wissens. Dazu muss SEIN Diener IHN und SEINE Namen und SEINE Eigenschaften kennen und SEINE Einzigartigkeit bestätigen.
ALLAH sagt (Interpretation der Aussage):
„Und ICH (ALLAH) habe die Jinn und die Menschen zu nichts anderem erschaffen, als dass sie MICH (allein) anbeten.“
[al-Dhaariyaat 51:56].

Diesen Zweck hat ER für SEINE Diener gewählt, also dass sie ihren Herren kennen und IHN allein anbeten.

Was für sie vorgesehen ist, ist der Ausgleich auf der Basis von Gerechtigkeit und göttlicher Barmherzigkeit, Belohnung und Strafe. ALLAH sagt (Interpretation der Aussage):
[al-Najm 53:31]

„Wahrlich, die Stunde kommt bestimmt. Ich halte sie fest verborgen, auf daß jede Seele nach ihrem Bemühen belohnt werde.“
[Ta-Ha 20:15]
„Damit ER ihnen das erklärt, worüber sie uneins sind, und damit diejenigen wissen, die den Kufr betrieben haben, dass sie doch Lügner waren.“
[al-Nahl 16:39]

„Gewiß, euer Herr ist Allah, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf und Sich hierauf über den Thron erhob. Er regelt die Angelegenheit. Es gibt keinen Fürsprecher außer nach Seiner Erlaubnis. Dies ist doch Allah, euer Herr, so dient Ihm! Bedenkt ihr denn nicht? Zu Ihm wird eure aller Rückkehr sein. (Das ist) Allahs Versprechen in Wahrheit. Er macht die Schöpfung am Anfang und wiederholt sie hierauf, um (es) denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun, in Gerechtigkeit zu vergelten. Für diejenigen, die ungläubig sind, wird es ein Getränk aus heißem Wasser und schmerzhafte Strafe geben dafür, daß sie ungläubig gewesen sind.“
[Yunus 10:3-4]
Badaa´i´al- Fawaa´id (4/971)

Mehr Informationen über die Weisheit hinter der Erschaffung der Menschheit findest du in der Antwort auf Frage Nr. 45529.

Zweitens:
ALLAH schickt die Menschen nicht einfach ins Paradies oder in die Hölle, weil ER weiß, was sie verdienen, sondern ER bestimmt Paradies und Hölle für sie aufgrund ihrer Taten in diesem Leben. Hätte ALLAH die Menschheit erschaffen und gleich in Seine Hölle geschickt, so könnten sie sich beschweren, dass ER sie nicht geprüft hätte oder ihnen keine Chance für Bemühungen gegeben hätte. ALLAH beugt diesen Argumenten vor, indem ER sie in dieser Welt erschuf und ihnen einen Sinn gab, Seine Bücher hinabsandte und Seine Gesandten zu ihnen schickte; all dies, damit sie am Tag der Auferstehung keine Klage erheben können.
ALLAH sagt (Interpretation der Aussage):
„Gesandte als Verkünder froher Botschaft und als Überbringer von Warnungen, damit die Menschen nach den Gesandten kein Beweismittel gegen Allah haben. Und Allah ist Allmächtig und Allweise.“
[al-Nisa´4:165].

Scheich Muhammad al-Amin al-Schanqieti (möge ALLAH barmherzig mit ihm sein) sagte:
Dieser Vers zeigt, wie wichtig es war, für Niemanden Ausflüchte zu lassen, indem die Gesandten mit der Verkündung der frohen Botschaft des Paradieses zu denen geschickt wurden, die ihnen folgten, und um jene zu warnen, die unfolgsam waren.

Solche Entschuldigungen werden unwirksam durch die Entsendung der Gesandten mit froher Botschaft und Warnungen, wie am Ende der Sure Ta-Ha beschrieben, wo ALLAH sagt (Interpretation der Aussage):
„Hätten Wir sie vor ihm durch eine Strafe vernichtet, hätten sie fürwahr gesagt: "Unser Herr, hättest Du doch einen Gesandten zu uns gesandt, so daß wir Deinen Zeichen hätten folgen können, bevor wir erniedrigt und in Schande gestürzt würden!" [Ta-Ha 20:134].

Darauf wird auch in Sure al-Qasas Bezug genommen, wo ALLAH sagt (Interpretation der Aussage):
„(Hätten Wir dich nicht entsandt), würden sie sagen, wenn sie ein Unglück trifft wegen dessen, was ihre Hände vorausgeschickt haben: "Unser Herr, hättest Du doch einen Gesandten zu uns gesandt, so daß wir Deinen Zeichen hätten folgen können und zu den Gläubigen´hätten gehören können!"
[al-Qasas 28:47].

Und ALLAH sagt (Interpretation der Aussage):
„Dies weil dein HERR niemals die Ortschaften wegen begangenem Unrecht vernichten wird, solange ihre Einwohner noch nicht ermahnt wurden.“
[al-Anaam 6:131]

„O Leute der Schrift, Unser Gesandter ist nunmehr zu euch gekommen, um euch nach einer Unterbrechungszeit (in der Reihe) der Gesandten Klarheit zu geben, damit ihr (nicht etwa) sagt: "Zu uns ist kein Frohbote und kein Warner gekommen." Nun ist ja ein Frohbote und ein Warner zu euch gekommen. Und Allah hat zu allem die Macht.“
[al-Maa´idah 5:19]

„Und dies ist ein Buch, das Wir (als Offenbarung) hinabgesandt haben, ein gesegnetes (Buch). So folgt ihm und seid gottesfürchtig, auf daß ihr Erbarmen finden möget! So werdet ihr nicht sagen können: "Das Buch Gottes ist vor uns zwei Gemeinschaften (Juden und Christen) herabgesandt worden, und wir haben keine Möglichkeit, es kennenzulernen." Oder damit ihr (nicht) sagt: "Wenn die Schrift auf uns herabgesandt worden wäre, wären wir wahrlich eher rechtgeleitet als sie." Aber nun ist ein klarer Beweis von eurem Herrn und Rechtleitung und Barmherzigkeit zu euch gekommen.“
[al-An´aam 6:155-157]

Und es gibt andere gleichbedeutende Verse.

Aus diesen und anderen Versen des Qurans wird deutlich, dass ALLAH niemanden bestraft bis er von den Gesandten (ALLAHs Friede und Heil sei auf ihnen) gewarnt worden ist und keine Entschuldigungen mehr hat. ALLAH sagt ausdrücklich in vielen Versen, dass ER niemanden in die Hölle schickt, bevor dieser keine Entschuldigungen mehr hat oder Warnungen von den Gesandten bekommen hat, z.B. sagt ER (Interpretation der Aussage):

„Jedesmal, wenn eine Schar hineingeworfen wird, werden ihre Wärter sie fragen: "Ist zu euch denn kein Warner gekommen?"Sie werden sagen: "Ja doch, zu uns kam bereits ein Warner; aber wir haben (ihn) der Lüge bezichtigt und gesagt: , Allah hat nichts offenbart; ihr befindet euch nur in großem Irrtum´."
[al-Mulk 67:8-9]

Es ist bekannt, dass mit ALLAHs Worten „Jedesmal, wenn eine Schar hineingeworfen wird...“ alle Gruppen gemeint sind, die hineingeworfen werden.
Abu Hayyaan sagt in a-Bahr al-Muheet, diesen Vers in einer Diskussion kommentierend: Das Wort „kullama“ („jedesmal“) bedeutet allgemein jedesmal, wenn hineingeworfen wird, also betrifft es alle jene die hineingeworfen werden.

Ein anderes Beispiel ist der Vers, in dem ALLAH sagt (Interpretation der Aussage):
„Zur Hölle getrieben werden diejenigen, die ungläubig waren, in Scharen. Wenn sie dann dort ankommen,
werden ihre Tore geöffnet und ihre Wärter sagen zu ihnen: "Sind nicht zu euch Gesandte von euch (selbst)
gekommen, die euch die Zeichen eures Herrn verlesen und euch die Begegnung mit diesem eurem Tag
warnend an kündigen?" Sie werden sagen: "Ja doch! Aber das Wort der Strafe ist gegen die Ungläubigen
unvermeidlich fällig geworden."
[al-Zumar 39:71]

Die Worte „ Zur Hölle getrieben werden diejenigen“ sind von allgemeiner Bedeutung und umfassen alle
Glaubensverweigerer.
Die Worte „ Zur Hölle getrieben werden diejenigen...Sie werden sagen: "Ja doch! “ sind von allgemeiner
Bedeutung und umfassen alle Glaubensverweigerer. Daraus wird klar,dass Höllenbewohner in diesem Leben
von den Gesandten gewarnt worden sein werden, aber sie haben den Befehlen ihres Herren nicht gehorcht,
eindeutig.

Adwa´ al-Bayaan (3/66,67)
Wir denken, dass das Wissen über den Sinn der Erschaffung der Menschheit von ALLAH – wissend, dass ALLAH niemanden aufgrund Seines bloßen Wissens bestraft, sondern dass es eine Vergeltung für die Taten in dieser Welt ist und daher niemand eine Ausrede vor ALLAH hat – dass dies die Antwort auf die Verwirrung in oben gestellter Frage ist.

Drittens:
Bezülich der Frage, warum Iblis auf die Erde hinabgesandt wurde mit Adam und seinen Nachkommen: im Unterschied zu Iblis wurde Adam (Friede sei auf ihm) auf die Erde hinabgesandt, nachdem er vor ALLAH bereut hatte, so dass ALLAH seine Reue annahm und ihm Rechtleitung schenkte, ihn als geehrten Propheten auf die Erde sandte, dem vergeben wurde, der in dieser Welt leben sollte, bis zum vorgeschriebenen Termin, den ALLAH für ihn bestimmt hat.
Iblis, der Feind ALLAHs hingegen, hat seine Sünde nicht eingesehen und bereut; er hat keine Hoffnung auf Reue und wird es niemals versuchen. Im Gegenteil, er war stur und arrogant, er hat die Grenzen überschritten und verfiel in Unglaube. Allerdings bat er ALLAH sein Ende und seine Bestrafung hinauszuzögern bis zum Tage, da die Zeit endet. Dies nicht, damit er doch noch Gelegenheit zur Reue bekäme, sondern damit er seinen üblen Weg weiter beschreiten und die irregeleiteten Menschen auf seinem Weg mitnehmen kann. Er kam als Führer einer Gruppe herab, der verlorenen Gruppe der Teufel, damit sich ALLAHs Weisheit hinter seiner Erschaffung erfüllt, und damit ER sie testen kann: werden sie IHM gehorchen oder Seinem Feind? Die letztendliche Verdammnis wird die Vergeltung für diesen schuldigen Feind sein, wegen seiner Sturheit und seiner üblen Taten, und er verdient es , ein Verlierer zu sein.


Und ALLAH weiß es am besten.


(Original: islamqa.com, fatwa No. 123973, english; Übersetzung ins Deutsche: Somaya K. Lemcke, Oktober 2010)