Bewegen/Zeigen des Fingers während des Taschahhud
Fragenummer: 0033
Bewegen/Zeigen des Fingers während des Taschahhud
( Entnommen aus http://www.islam-qa.com - Frage Nr.: 7570 )
Übersetzt von Abu Bakr Abu ’Abdullah al – Almaani
Frage:
Ich habe Leute gesehen die ihren Finger während des Taschahhud auf und ab bewegen. Ist dies Sunna?
Antwort:
Alles Lob gebührt Allah.
Erstens:
Es ist bewiesen, dass der Prophet , als er betete, mit seinem Zeigefinger im Taschahhud zu zeigen pflegte und ihn bewegte.
Die Gelehrten waren diesbezüglich verschiedener Meinung und es gibt verschiedene Ansichten.
1. – Die Hanafiten (Ahnaaf) sagen, dass der Finger gehoben werden soll beim sagen von „Laa“ (Kein) in dem Satzteil „Asch – hadu an laa illaha ila Allah“ (Ich bezeuge, dass es keinen gibt –Der mit Wahrheit und Recht– anzubeten ist außer Allah) und er soll gesenkt werden beim Sagen von „ila Allah“ (außer Allah).
2. – Die Schafi’iten (Schafi’ija) sagen, dass er gehoben werden soll beim Sagen von „ila Allah“.
3. – Die Malikiten (Malikija) sagen, dass man ihn nach rechts und links bewegen soll bis man das Gebet abgeschlossen hat.
4. – Die Hanbaliten (Hanabila) sagen, dass man mit dem Finger zeigen soll wenn man den Namen Allah’s erwähnt, ohne ihn zu bewegen.
Scheich Al – Albaani (Möge Allah ihm gegenüber barmherzig sein) sagte: „Es gibt keine Basis für irgendeine dieser Definitionen und Handlungsweisen in der Sunna. Die Näheste von ihnen zur richtigen Ansicht ist die Ansicht der Hanbaliten, wäre es nicht das sie es beschränkt hätten den Finger (nur) zu heben beim erwähnen des Namen von Allah.“
Tammam al – Minna (S. 223).
Zweitens:
In Bezug auf die Beweise bezüglich dieser Angelegenheit:
(a) Es wird überliefert, dass ’Abdullah ibn al – Zubayr sagte: „Als der Gesandte Allah’s während des (rituellen) Gebetes saß, platzierte er seinen linken Fuß zwischen seinem Schenkel und seiner Wade, und steckte seinen rechten Fuß darunter, und zeigte mit seinem Finger.“1
Bei An – Nasaai (Nr. 1270) und Abu Dawuud (Nr. 989) wird gesagt: „Er pflegte mit seinem Finger zu zeigen als er Du’a machte, aber er bewegte ihn nicht.“
Diese Hinzufügung – „aber er bewegte ihn nicht“ – wurde von Ibn Qayyim in Zaad al – Ma’aad (1/238) als mangelhaft/schwach (d’aif) eingestuft. Es wurde ebenfalls von Scheich Al – Albaani in Tammam al – Minna (S. 218) als mangelhaft (d’aif) klassifiziert.
(b) Es wird überliefert, dass Waa-il ibn Hadschr sagte: „Ich sagte: ‚Ich werde wahrlich gucken wie der Gesandte Allah’s betet.’ So schaute ich ihm zu und er stand auf und sagte Takbir („Allahu akbar“), und er erhob seine Hände bis sie in Höhe der Ohren waren. Dann platzierte er seine rechte Hand auf seine linke Hand, (und das) Handgelenk auf (den) unteren Vorderarm. Wenn er sich beugen wollte erhob er seine Hände ebenfalls, und legte seine Hände auf seine Knie, und als er seinen Kopf erhob, hob er seine Hände ebenso. Dann warf er sich nieder und legte seine Hände in Höhe seiner Ohren, und daraufhin saß er mit dem linken Fuß unter sich gesteckt, und tat seine linke Hand auf seinen linken Oberschenkel und Knie, und er legte das Ende seines rechten Ellbogens auf seinen rechten Oberschenkel. Dann hielt er zwei seiner Finger (d.h. den Daumen und den Mittelfinger) und bildete (damit) einen Kreis, dann erhob er seinen Zeigefinger und bewegte ihn, (und) machte Du’a damit.’“2
Scheich Ibn ’Utheimin erwähnte dieses Hadith – „bewegte ihn, (und) machte Du’a damit“ – als Beweis, dass das Bewegen des Zeigefingers während des Taschahhud getan werden soll bei jedem Teil von Du’a. Er sagte in Scharh al – Mumti:
„Die Sunna weist darauf hin, dass er mit ihm zeigen soll, wenn er Du’a macht, weil des Wortlaut des Hadith ist „…bewegte ihn, (und) machte Du’a damit.“ Folglich zu jeder Zeit wo du Du’a machst, bewege deinen Finger um so zu Dem Gepriesenen und Allhöchsten zu zeigen an den du deine Bittgebete richtest. So sagen wir:
‚As Salaamu ’alaika ayyuhal Nabiyu’ (Oder anstelle dessen ‚As Salaamu ’ala Nabi..’3 was so viel bedeutet wie ‚Friede sei über/auf dem Propheten’ und das Erstgenannte ‚Friede sei auf dir, O Prophet…’) – du sollst mit deinem Zeigefinger zeigen, weil dieser Friedensgruß (Salaam) eine Art des Du’a ist. ‚As Salaamu ’alaina’ (Friede sei auf uns) – du sollst mit deinem Zeigefinger zeigen. ‚Allahumma salli ’ala Muhammad..’ (O Allah schenke Muhammad Heil..) – du sollst mit deinem Zeigefinger zeigen. ‚Allahumma Barik ’ala Muhammad’ (O Allah segne Muhammad) – du sollst mit deinem Zeigefinger zeigen. ‚’Audhubillah min ’adhabi Dschahanam…’ (Ich suche Zuflucht bei Allah vor der Strafe der Hölle) – du sollst mit deinem Zeigefinger zeigen. ‚wa min ’adhabil qabr’ (und vor der Strafe des Grabes) – du sollst mit deinem Zeigefinger zeigen. ‚wa min fitnat il mahja wal mamaat’ (und vor den Versuchungen des Lebens und des Sterbens) – du sollst mit dem Zeigefinger zeigen. ‚wa min fitnat il Massih ad Dadschal’ (und vor der Versuchung des falschen Massih) – du sollst mit deinem Zeigefinger zeigen. Zu jeder Zeit wo du Du’a machst sollst du mit dem Zeigefinger zeigen, auf die Großartigkeit desjenigen deutend zu Dem du Du’a machst. Dies ist näher an der Sunna.“ (Zitatende)
Drittens:
Es ist Sunna beim zeigen auf den Finger zu schauen.
An – Nawawi sagte:
„Die Sunna ist den Blick nicht über den zeigenden Finger hinausschweifen zu lassen. Es gibt ein authentisches (sahih) Hadith diesbezüglich im Sunnan Abi Dawuud. Du sollst in Richtung Qibla (d.h. in die Gebetsrichtung) zeigen, und beim zeigen beabsichtigen die Einzigkeit Allah’s zu bestätigen und absolute Hingabe zu Ihm.
Scharh Sahih Muslim (5/81)
Das Hadith auf das sich An – Nawawi (Möge Allah ihm barmherzig gegenüber sein) bezieht ist das o.g. Hadith von ’Abdullah ibn al – Zubayr. Bei der Version von Abu Dawuud (Nr. 989) ist überliefert: „Und er lies seinen Blick nicht über
den zeigenden Finger hinwegschweifen.“ Dieses Hadith wurde von Scheich Al-Albaani in Sahih Sunnan Abi Dawuud als authentisch/makellos (sahih) bezeichnet.
Viertens:
Es ist Sunna mit diesem zur Qibla (Gebetsrichtung gen Makka) zu zeigen.
Es ist von ’Abdullah ibn ’Umar (Möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass er einen Mann sah der Steine in der Hand bewegte während dieser betete. Als er es beendet hatte sagte ’Abdullah zu ihm: „Bewege keine Steine während du beim beten bist, denn dies kommt vom Schaitan (Satan). Sondern tue was der Gesandte Allah’s zu tun pflegte. Er tat seine rechte Hand auf seinen Oberschenkel (über dem Knie) und zeigte mit dem Finger der neben dem Daumen liegt Richtung der Qibla, und er fixierte seinen Blick auf diesen.“ Dann sagte er: „Dies ist was ich den Gesandten Allah’s tun sah.“4
Fünftens:
Den Finger beim zeigen leicht krümmen, was im Hadith von Numayr al-Chuzaai erwähnt wurde.5
Jedoch ist dieses Hadith schwach/mangelhaft (d’aif).
Siehe Tamaam al – Minna von Scheich Al – Albaani (S. 222).
Und Allah weiß es am besten.
Islam Q & A.
1 Überliefert bei Muslim (Nr. 579).
2 Überliefert bei An – Nasaai (Nr. 889); als authentisch/makellos (sahih) von Ibn Chuzaima (1/354) eingestuft;
bei Ibn Maadscha (5/170); als sahih von Scheich Al – Albaani in Irwaa al – Ghalil (367) eingestuft.
3 Diese Version im Taschahhud wird authentisch von Ibn Mas’ud (bei Buchari, Muslim und weiteren)
überliefert, sowie von A-ischa die den Taschahhud, gemäß zwei authentischer Überlieferungswege, auch so
lehrte. Zu Lebzeiten des Gesandten sagten sie „As – Salaamu ’alaika ayuhal Nabiyu“, jedoch als er verstarb
sagte sie: „As – Salaamu ’ala Nabi“.
4 Überliefert bei An – Nasaai (Nr. 116 0), Ibn Chuzaima (1/355), Ibn Hibban (5/273). Von Scheich Al – Albaani
in Sahih An – Nasaai als authentsich/makellos (sahih) eingestuft.
5 Überliefert im Sunnan Abi Dawuud (Nr. 991) und An – Nasaai (Nr. 1275).


