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Die Grundfragen
#1
Im Islam, wie auch im Christentum, wird die Entscheidung für den eigenen Glauben höchste Bedeutung zugemessen. Sie bestimmt darüber ob man ewig in die Hölle kommt oder ins Paradies.

Insofern steht man als (Noch-)Nichtgläubiger oder Prüfender vor den Angeboten unterschiedlicher Religionen, und Menschen die sagen sie seien Propheten oder wüssten die einzige Wahrheit, und ist natürlich verunsichert. 
Eine falsche Wahl und man ist für immer ruiniert, entsetzlich.

Ich kann jetzt grundlegende Dinge nicht verstehen:

1. Welchen objektiven, vernünftigen Grund gibt es um sich zu entscheiden zu glauben dass Mohamed, ein Mann im 7. Jahrhundert in einer relativ abgelegenen Gegend, nicht nur Visionen hatte. Sondern dass diese tatsächlich die wörtliche Mitteilung eines übermächtigen Wesens sind das Allah gennant wird? Eines Wesens das den Kosmos erschaffen habe. 
Es gibt viele in der Menschheitsgeschichte die sagen sie hätte so ein exklusives Wissen. Woran erkenne ich den Richtigen. (Oder dass es überhaupt einen "Richtigen" gibt? Echte logische Gottesbeweise odr gar Beobachtungen gibt es ja auch nicht.)

2. Welche ethischen, moralischen, philosophischen Gründe sprechen für Mohamed? Jesus stellt gegenüber dem Judentum einen Fortschritt dar indem er Nächstenliebe predigt, und diese beweist indem er sich selbst opfert. Das wäre ein denkbarer Grund ihm den Vorzug zu geben. Was ist "besser" im Islam?

3. Wie kann eine Entscheidung die ich treffe aufgrund solcher ehrlicher, und ernsthafter Überlegungen, dazu führen dass ich ewig in die Hölle komme, weil ich quasi die falsche Karte gezogen habe? 
Ist das fair? 
Selbst ich unvollkommener Mensch würde keines meiner Kinder oder Untergebenen so bestrafen weil sie sich falsch entschieden haben. 
Die ganze Entscheidung beruht doch letztlich nur auf Intuition, einem gefühlsmäßigen Hingezogensein, das einfach aus dem Unterbewusstsein aufsteigt und auch bedingt ist durch äußere Einflüsse wie das soziale Umfeld.  Für all das ist man nicht verantwortlich. Wenn es Allah gibt dann ist er es der dafür verantwortlich ist. Wieso schafft er also Wesen um sie dann ewig zu quälen? 

4. Worin liegt da der moralische Verdienst des Menschen sich dem zu unterwerfen, nur aufgrund eines Gefühls, und weil er sich Belohnung oder Strafe erwartet?

Sorry, das alles ergibt für mich keinen Sinn.

Es erscheint mir auch grundsätzlich moralischer "gut" zu sein, also ehrlich, hilfsbereit, usw., ohne an ein übermächtiges Wesen zu glauben das mich dafür belohnt. Das scheint mir edler zu sein, und ich kann auch keinen Grund erkennen warum ich irgendeinem Verkünder von angeblichen Wahrheiten "glauben" sollte. Was der entscheidende Schritt ist, bei dem man sozusagen sein Gehirn an der Garderobe abgibt, und ab da alles glauben muss was noch an Einzelvorschriften auf einen zukommt. Der Verstand beschäftigt sich dann nur noch damit diese Vorschriften zu ergründen, und seinen Glauben gegen andere zu verteidigen. 
Anders als im Buddhismus übrigens, wo immer die kritische Prüfung erlaubt ist. Ich verstehe übrigens auch nicht dass Muslime Buddhismus als Götzendienst verachten. Im Theravada zumindest gibt es keine "Götter" nur einen Buddha, sonst nichts. Es geht eigentlich auch nur um eine Meditationsmethode und moralischen Lebenswandel. Ich habe den Eindruck das Muslime meist weder den Buddhismus noch die Botschaft von Jesus wirklich verstehen.
#2
Hallo Barbara

Das sind so viele und so komplexe Fragen, die du hier stellst - die kann man einfach nicht auf die Schnelle beantworten! 

Da du dir sehr ähnliche Gedanken machst, wie ich es bis zu meinem 57. Altersjahr (!) tat, magst du vielleicht mal in meinem Blog herumstöbern (http://www.ausgerechnet-islam.com/) um zu sehen, wie man seine Einstellung so sehr ändern kann. Wenn es dich interessiert, wie eine eingefleischte Agnostikerin, die immer der Meinung war, Religion sei etwas für schlichtere Gemüter, überhaupt dazu kam, sich dem Islam zuzuwenden, dann fang mit diesem Text an: http://www.ausgerechnet-islam.com/p/metamorphose.html. Du findest aber auch zu deinen anderen Fragen im Blog zwar keine abschließenden Antworten, aber Gedanken einer "Gedankenverwandten", die den Schritt, den du dir zu überlegen scheinst, getan hat. 

Nur kurz eine Sache: Jesus und Abraham und zahllose andere, "die sagen, sie hätten ein so exklusives Wissen" sind im Islam genauso Propheten wie der letzte Gesandten, Muhammad (Gott segne ihn und schenke ihm Frieden), eine Kette von Propheten gewissermaßen, die vom immer gleichen einzigen Gott - auf arabisch heißt Er Allah - geschickt wurden, immer die gleiche Botschaft zu überbringen oder zu erneuern. Insofern geht es nicht um "besser" sondern um "authentischer" - der Koran ist nun einmal die letzte Botschaft und sie ist nicht wie die Bibel tausendmal verändert und übersetzt worden sondern uns noch so erhalten, wie sie damals offenbart wurde. 

Einen meiner Artikel betr. unseren Gesandten kann ich dir besonders ans Herz legen: http://www.ausgerechnet-islam.com/2013/0...koran.html - mir fiel es nämlich auch gar nicht leicht, als "Ex-Papierchristin" plötzlich so einen Araber zu lieben....

Du scheinst noch sehr wenig über den Islam zu wissen - vielleicht liest du auch mal "der Islam als Alternative" von Dr. Murad Wilfried Hofmann. 

Ich hoffe, dir ein wenig weiterzuhelfen und wünsche dir von Herzen, dass du weiter suchst und auch findest! So Gott will.

Liebe Grüße aus Portugal
Chadidscha
#3
Salam Barbara,

Ich hatte Dir einen langen Text geschrieben, in dem ich detailliert auf Deine Fragen eingegangen bin, dann aber


Zitat:Was der entscheidende Schritt ist, bei dem man sozusagen sein Gehirn an der Garderobe abgibt, und ab da alles glauben muss was noch an Einzelvorschriften auf einen zukommt. Der Verstand beschäftigt sich dann nur noch damit diese Vorschriften zu ergründen, und seinen Glauben gegen andere zu verteidigen. 

kam dieser Satz. Wenn Du meinst, jemand habe sein "Gehirn an der Garderobe" abgegeben, ist es sicher für dich wertlos, ob jemand aus diesem Hirn etwas zur Beantwortung deiner Fragen produziert. Daher habe ich mich entschlossen, meinen Beitrag wieder zu löschen. Möge Allah Dich rechtleiten.
#4
As-salamu alaykum Abraham

Ich hatte den Satz auch gelesen und empfand ihn auch als Provokation - aber da ich mich an meine eigenen anfänglichen Trotzgedanken gut erinnern kann (ich hatte damals leider kein Forum und keinen Menschen, konnte sie nur mir selbst stellen) finde ich, wir sollten keinesfalls "die Hoffnung an der Garderobe abgeben" und von vorneherein von schlechtem Willen ausgehen - ist vielleicht nur ein letztes Aufbäumen - auch ich habe mich ziemlich heftig gewehrt gegen das Glauben!

Wenn du deinen Beitrag noch nicht gelöscht hast - dann poste ihn doch!

Salam
Chadidscha
#5
Es ist eigentlich ganz einfach. Es gab immer nur eine Religion und nur einen Gott.
Gott sandte Propheten zum Beispiel: Noah, Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Mohammed (Frieden auf ihm).
Alle diese Propheten sind Brüder und predigten das Gleiche: Monotheismus.
Die größte Ungerechtigkeit, die man gegenüber Gott begehen kann ist neben ihn andere Götter zu stellen.
Das ist so dermaßen schlimm, dass man für immer in die Hölle kommt, wenn man so undankbar ist.
Akzeptiert man jedoch, dass es nur einen Gott gibt und Mohammed (Frieden auf ihm) sein gesandter ist, so ist
das so ein dermaßen riesiger Verdienst, sodass man ins Paradies kommt.
#6
Salam Aleikum Chadischa,

ich war beim Schreiben und habe dann den Text gelöscht. Du hast aber sehr schöne Links in Deinem Beitrag genannt, da wird die ernsthafte suchende Seele fündig werden...

Salam!
#7
Willkommen!

"Ich habe den Eindruck das Muslime meist weder den Buddhismus noch die Botschaft von Jesus wirklich verstehen."

Klar! Ganz einfach:
- Buddhismus endet sowieso im Nichts.
- Und wer sich des Verstandes bedient, erkennt das Falsche, das am Christentum haftet.

Ich empfehle dir hiermit die Vortragsreihe von Marcel Krass: 'Warum Christ?' (@YouTube - Sehr logisch argumentiert!)

Wenn du die Wahrheit wirklich suchst, mit Aufrichtigkeit im Herzen, so wirst du dich nicht davor scheuen, das Falsche zu erkennen, um im Endeffekt das Richtige erkennen zu können. Denn wer versucht das Richtige zu erkennen, ohne das Falsche erkannt zu haben, der wird ausnahmslos das Falsche kennen, es jedoch für richtig halten.

All die Propheten, die den reinen Monotheismus gepredigt haben, werden soweit akzeptiert.
Selbst Jesus (Isa), der das komplette Gegenteil* "gelehrt" hat, wird akzeptiert.
Es scheint enorme Parallelen zwischen dem griechischen und christlichen Glaubenssystem zu geben (Mensch, Gott, Götter, Vater, Sohn, Mutter...). Nun ja, dass das Neue Testament auf Griechisch verfasst wurde, ist ja nichts Neues.*

Dann aber erscheint ein Araber, dessen edler Charakter von betörender Schönheit, welcher ebenfalls den absolut reinen Monotheismus predigte. Er jedoch wird beharrlich abgelehnt.

Also: Die Propheten des Monotheismus werden alle akzeptiert. Jesus, der das komplette Gegenteil "predigte" auch, aber der letzte Prophet, der den absolut reinen Monotheismus wieder hergestellt hat, nachdem man ihn verlassen hat, nicht?

Vielleicht fragst du mal die Anderen, wessen Verstand an der Garderobe hängt.

Du stellst Grundfragen für die Wahrheitsfindung und im nächsten Atemzug sprichst du von "angeblichen Wahrheiten, die man glauben sollte".

Möge Allah dich rechtleiten.

Was ich gar nicht verstehen kann:

Ausgerechnet jene, die den Islam ablehnen, beschweren sich darüber, dass Ungläubige, die von Allah, Dem Einzigen, erschaffen wurden, für ihren Ungehorsam Ihm gegenüber bestraft werden. Warum? Sie glauben doch nicht mal daran. Warum sich dann noch beschweren?

Deshalb stelle ich solchen Menschen folgende Fragen:

Welches gewaltige Recht besitzt der Erhalter aller Dinge, Der deinen dich nährenden Teppich erschaffen hat und dich ebenso, damit du darauf leben kannst?
Und welches gewaltige Recht besitzt du, als eine kleine Schöpfung, deinem Schöpfer gegenüber ungehorsam zu sein?
#8
Hallo Barbara Soehnke,
auch ich kann dir die Vortragsreihe von Marcel Krass "Warum Christ?" sehr ans Herz legen. Dort werden einige deiner Fragen sehr logisch beantwortet.
www.warum-christ.de
#9
Bismillah,

Vielleicht würde ich noch ergänzen, dass sich der Islam nicht um die Frage kümmert, welche der monotheistischen Religionen richtig ist, sondern *alle* Propheten seit Adam und die Heiligen Schriften von Juden und Christen akzeptiert.

Der Islam ist als Rechtleitung herabgesandt worden: Er ist eine Läuterung für die Menschen und der Aufruf, alte religiöse Pfade mit dem Verstand zu überprüfen und sich wieder auf das zu konzentrieren, was Kern der monotheistischen Religion ist: Der Glaube an den Einen Gott.

Damit ist der Islam universell und umfasst die anderen Religionen. Er kennt Gott als den Barmherzigen (wie die Christen) und als den Gerechten (wie die Juden), weil sich Allah diesen Völkern so offenbart hat.

Alhamdullilah!
  


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